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Krimi Zwischendurch – Kapitel 2: Der erste Kontakt

Nach einer erfolglosen Kiosiktour erreichte Valerie schließlich die WG.

„Was hast du rausgefunden Val‘?“, fragte Olimpia.

„Alle Kölschpreise, weil bei der Hitze nur das Wunderwasser hilft, dass ich im Dienst bin hat die eher weniger beschäftigt. Was ich aber weiß ist, dass Maria auf jeden Fall die Bib verlassen hat – sie wurde gesehen.“, von ihrem Gesicht tropften Schweißperlen.

Olimpia wandte sich wieder dem Mitbewohner zu: „Also, wenn sie anrufen kommt ‚diese Nummer ist nicht verfügbar‘?“

„Richtig.“, er trank ein Schluck Wasser, man sah, dass er nervös war – er zitterte am ganzen Körper.

„Gut wir werden uns melden, wenn wir was raus gefunden haben.“, Olimpias Ausdruck gab ihm keine Hoffnung, sie dachte irgendwie nicht mehr, dass Maria Fischer noch lebte.

Nach einem harten, heißen, erfolglosen Arbeitstag gingen die Kollegen was trinken, schließlich war Freitag. Kommissarin Wolf war die letzte die eintraf. Vor der Bar stand ein junger Mann und zündete sich gerade eine Zigarette an, er hatte sein Basecap Falschrum an und war großflächig tätowiert. „Willst du auch eine?“, fragte er sie.

„Ist schon lange her.“, Olimpia lief unbeholfen vor der Treppe zur Bar auf und ab.

„Ja warum also nicht die Erinnerungen auffrischen?“, er reichte ihr eine Zigarette. – Sie nahm an. Sie atmete den Rauch aus und schloss für einen Augenblick die Augen.

„Du hattest einen scheiß Tag und die letzte Nacht ist auch mega scheiße gewesen, nicht wahr?“

„Woher weißt du das?“

„Ich weiß es nicht, ich habe es gesehen.“, er lächelte sie an.

„Sehe ich so schlimm aus?“

„Nein darum geht es nicht, du siehst klasse aus, bloß wenn eine erwachsene Frau eine Kippe von einem 20-jährigen annimmt, wenn sie eigentlich nicht raucht und Freitagabend in eine Bar geht und es aussieht als würde sie zur Arbeit gehen und nicht um Spaß zu haben, dann kann ich eins und eins zusammenzählen.“

„Wenn ich in deinem Alter auch schon so klug gewesen wäre.“

„Hättest du weniger Dummheiten gemacht?“, er drückte die Zigarette mit dem Schuh aus.

„Nicht unbedingt. Nur vielleicht andere.“

„Naja damit dein Tag vielleicht doch noch besser wird.“, er reicht ihr eine Origamiblume. Sie bedankte sich und ging rein.

„Wo warst du so lange?“, rief Gabriel durch die ganze Bar als er Limpa durch die Tür kommen sieht.

„Ich hol ja schon die nächste Runde.“, sie warf ihm ein Kussmund zu.

An der Bar angekommen, fragte der Typ von draußen sie: „Was darf‘s sein, geehrte Dame?“

Sie lachte: „So schnell sieht man sich wieder. Fünf Kölsch bitte und ein Rotwein.“

„Für dich lieber ein Likör. Ich habe Kirsche da. Den gebe ich nicht allen raus.“

„Ja immer her damit.“, sie entspannte sich endlich.

„Ich bring’s euch zum Tisch.“, er zwinkerte ihr aufmunternd zu.

Olimpia ging zum Tisch, wo die anderen schon lauthals diskutierten warum Limpa diesmal zu spät war: Gabriel, Valerie, Karsten zuständig für die Mordkommission, Beate – Kommissarin aus Mühlheim, sie wurde erst vor kurzem nach Deutz versetzt und Thomas ein Polizist aus dem Revier. Olimpia fügte sich Lückenlos in die Runde ein und es ging endlich mal ein Abend nicht um die Arbeit, die allen Kollegen jeden Tag Nerven, Kraft und Tränen kosteten. Es wurde immer später aber draußen wurde es nicht ein bisschen kühler. Die Runde wurde immer heiterer und lauter. Die Jungs und Beate gingen raus eine rauchen. Valerie blieb am Tisch sitzen, die arme hatte etwas zu viel getrunken und hing nur noch halb vom Stuhl runter und drohte jeden Moment zu fallen, aber noch schlief sie und sabberte auf Limpas Handtasche. Limpa selbst ging wieder zur Bar, wollte mit dem Barkeeper reden und sich was zu trinken holen, da entdeckte sie einige Hocker weiter einen Mann, ungefähr in ihrem Alter, alleine am Tresen sitzen, er trank Brandy, hatte die Haare streng nach hinten gekämmt und hatte ein dunkles blau-graues Hemd an, er entdeckte Limpa, die ihn schon seit einer Minute anstarrte, normalerweise würde sie sich unter Kontrolle haben aber die Kombination, aus Alkohol, fünf Monate ohne Sex und seinem verboten gutem Aussehen, brach ihre Disziplin – sich nicht so aufzuführen wie ein verzweifeltes 15-jähriges Mädchen. Er lächelte sie an und prostete ihr zu, das brachte Limpa dann endlich dazu sich wegzudrehen.

„Erwischt.“, sagte der Barkeeper, lachte und polierte weiter ein Glas.

„Ein Schnaps bitte.“, Limpa wurde rot.

Er schenkte ihr ein: „Nikolas. Und du?“

„Olimpia. Wenn es an das harte Zeug geht wirst du persönlicher?“, sie versuchte ihr Gesicht hinter ihrer Hand zu verstecken.

„Gefällt er dir?“, er deutete mit dem Kinn zu ihm.

„Beantworten wir Fragen also ab jetzt immer mit Gegenfragen?“

„Soll ich ihm ein Drink von dir spendieren? Er schaut die ganze Zeit rüber.“

„Wieso spendierst du mir nicht mal was aufs Haus Nikolas?“

„Ich hätte ja echt nicht erwartet, dass du so schüchtern sein kannst.“

„Hattest du schon immer so eine große Nase?“, sie versuchte danach zu greifen.

„Woh was denkt wohl jetzt dein heißer Fremder? – Das du kleine Jungs anfasst.“

Der Fremde winkte Nikolas zu sich rüber, der hämisch zu Limpa herüberschaute bevor er ging. Nikolas schenkte ihm nochmal nach, sie sprachen kurz und schauten ab und zu zu Limpa rüber. Er kam schließlich breit grinsend wieder: „Alle deine Drinks gehen auf ihn, soll ich dir ausrichten.“

„Was? Aber …“, Limpa lächelte und schämte sich gleichzeitig.

„Er sagt, weil du die einzige bist, die es Wert ist.“

„Hat er nicht gesagt!“

„Oh doch hat er.“, Nikolas widmete sich wieder den Gläsern. Limpa saß kurz einfach nur so da.

„Aber du hast doch heute schon noch vor dahin zu gehen?“, Nikolas stellte ihr einen Kaffee hin.

„Das habe ich jetzt gebraucht. Danke.“, sie roch kräftig daran und trank ihn wenigen Schlücken aus. Sie wurde etwas klarer im Kopf, fasste einen Entschluss, stand auf und ging endlich zum Fremden rüber.

„Große Worte von jemanden der mich gar nicht kennt.“, sie setzte sich auf den Hocker neben ihn.

„Habe ich etwa nicht recht?“, seine Augen sind eisblau und schauen direkt durch Limpa durch.

„Wie heißen sie?“, fragte sie.

„Adam.“, sie stießen mit ihren Gläsern an.

„So wie in Adam und Eva?“

„Wenn sie Eva heißen?!“

„Sie können mich gerne Eva nennen. Wenn sie meinen echten Namen erfahren wollen will ich erst noch was über sie wissen.“

„So geheimnisvoll Eva. Alles was sie wollen.“

„Wieso sitzt ein so gutaussehender Mann, wie sie, ganz alleine in einer blöden Bar in Köln?“

„Wenn sie doch hier sind kann die Bar gar nicht blöd sein. Und jetzt bin ich doch gar nicht mehr alleine.“

Sie lachte: „Sehr gut. Sie gefallen mir.“

„Das freut mich zu hören. Sie mir auch. Wollen sie noch was trinken?“, er deutete auf ihr leeres Glas.

„Liebend gern…“, als sie weiter sprechen wollte kam Gabriel von hinten umarmte sie, gab ihr ein Kuss auf die Wange und verabschiedete sich, „Entschuldigen sie bitte meinen Kollegen Gabriel. Wenn er trinkt kann er sehr zutraulich werden.“

„Es gibt nichts wofür sie sich entschuldigen müssten. Kollege sagten sie? Lassen sie mich raten. Polizei?“

„Woher wissen sie das?“

„Sowas sieht man direkt Eva, das ist keine Kunst. Und außerdem ist das die nächste Bar zum Revier.“

Nach dem die Bar schloss redeten die beiden noch vor der Tür weiter. Limpa fand heraus das Adam freier Künstler war und er außerhalb von Köln sein Studio hatte, wo er arbeitete und wohnte. Sie redeten über alles was ihnen in den Sinn kam und verstanden sich, wie zwei verlorene Seelen die eigentlich eine waren. Die Sonne ging auf, es wurde immer wärmer, die Straße wurde immer befahrener, der Kiosk an der Ecke öffnete.

„Wollen wir uns Frühstück holen?“, Limpa zeigte auf den Kiosk.

„In so einem Laden?“

„Glauben sie mir.“, sie grinste, nahm seine Hand und schleppte ihn über die Straße.

Nach einem Brötchen und zwei Kaffee verabschiedeten Adam und Limpa sich, aber nicht für lang: Adam hatte am Sonntag eine Vernissage und lud sie ein.

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Krimi Zwischendurch – Kapitel 1: Das erste Mal

 

Sie schaute ihrem Killer direkt in die, schon lange, toten Augen. Er wischte das Messer an einem Stofftaschentuch ab, während sein Opfer auf dem Boden verblutete. Er war aufgeregt. Es war sein erster Mord. Und er spürte, dass sein Durst gestillt wurde. Er grinste unbeholfen, wer hätte gedacht, dass so ein simpler, stumpfer Akt der Gewalt solche Gefühle auslösen würde. Er trug die Leiche zum Auto und fuhr tief in den Wald zum Fluss und machte am Ufer ein Feuer und verbrannte alle Beweise, sowie die Leiche. Das Feuer hypnotisierte ihn buchstäblich. Er war vollkommen im Rausch des Todes. Das Feuer wurde immer größer. Seine Euphorie war grenzenlos. Er wurde sofort süchtig, je mehr er an seine Tat dachte: „Das hat mir immer zu meinem Glück gefehlt.“

Er lächelte und suhlte sich noch eine ganze Weile im grellen Licht des Feuers. Die noch heiße Glut schob er im Morgengrauen, mit bloßen Händen ins Wasser, wusch Gesicht und Hände, fuhr nach Hause und legte sich schlafen.

Der Morgen von Kommissarin Olimpia Wolf ging los um 5.00 Uhr in der Früh mit einer kalten Dusche. Die Nacht war kurz und schwül, erdrückend, beinahe tropisch, wenn man die Mücken bedachte. Nach dem Frühstück begab sich Olimpia zur Arbeit.

„Du schon hier? Konntest bei der Hitze wohl auch nicht schlafen? Gibt’s was Neues?“

„Es sind jetzt schon 26 Grad und sonst eine Neue Vermisste.“, antwortete Valerie.

„Zeig mal her!“, sagte Olimpia und streckte die Hand aus.

„Hier“, die Kollegin gab ihr die Mappe, „Vermisste Maria Fischer, Alter 25, Studentin, WG-Mitbewohner erwartete sie zuhause, sie kam aber nie an.“

„Und sie kann nicht noch spontan in den Club und auf n‘ One-Night-Stand geblieben sein?“, Olimpia wollte offensichtlich witzig sein.

Valerie zog eine Braue hoch: „Nein sie schrieb ihm, dass sie die Bib verlässt und sich auf den Weg nach Hause macht.“

„Bib?“, Fragezeichen in Olimpias Gesicht.

„Bibliothek.“, Valerie grinste.

„Studenten.“, sie setzte sich an ihren Schreibtisch.

„Du bist einfach nicht mehr up-to-date. Na jedenfalls war sie schon auf dem Weg nach Hause – kam aber nie an. Für mich bitte auch ein Kaffee.“

„Ok das ist doch schon mal interessant.“

Valerie nahm den Kaffee dankend an und beobachtete Limpa (wie sie liebevoll von den älteren Polizisten genannt wurde) ganz unauffällig von der Seite, Valerie war noch nicht lange im Revier und fand es immer noch faszinierend, wenn Limpa’s Denkprozess startete. Das war die Ruhe vor dem Sturm, wenn die erste Spur schon zum Greifen nah war, wenn noch alles offen war, keine Verdächtigen, keine Leiche im Keller, also im Leichenschauhaus, alle Köpfe noch frisch und keiner ist verzweifelt. Valerie wartete den richtigen Moment ab um zu Fragen: „Was sagen sie Frau Kommissarin?“

„Das ist unser neuer Fall Valerie.“

„Was soll ich tun?“, sie klopfte mit den Fingern auf den Tisch.

„Geh zur Bibliothek, frag die Leute, sieh dich um, frag die Kioskbesitzer auf dem Weg, geh die Strecke bis zur WG ab – vielleicht findest du was. Wir treffen uns da.“

„Und was machst du bis dahin?“, fragte Olimpias Partner, Gabriel Carnot, beim Reinkommen.

„Ganz schön spät dran Gabi. Ich werde schon mal zur WG gehen und ihren Mitbewohner befragen.“

„Ich mach mich mal auf den Weg.“, Valerie schloss die Tür hinter sich.

„Haben wir eine Leiche?“, fragte Gabriel beim Kaffee einschütten.

„Noch nicht.“

„Was macht dich so sicher?“, er nahm einen Schluck.

„Hab so ein schlechtes Gefühl bei der Sache, wenn ich nicht schlafen kann, gibt’s morgens meistens keine guten Neuigkeiten.“

„Du solltest ein Buch über deinen sechsten Sinn schreiben und das dann verfilmen lassen – doppelt Kohle verstehste‘?“

„Mach ruhig Witze Gabi aber ich sag nur letztes Jahr Weihnachten – ich hab dir gesagt geh nicht mit den Jungs von der SEK aber du wolltest ja persönlich die Bösen fangen.“

„Wieso? Ist doch alles gut gegangen: du hast dir zum ersten Mal in deinem Leben Sorgen gemacht, wir waren was trinken und ich war für zwei Monate der Held mit der Schusswunde.“

„Gabi bitte an Kasse drei. Gabi bitte an Kasse drei. Der Papierkram wartet. Ich muss los.“, sie packte ihre Sachen zusammen und ging.

In der Zwischenzeit fuhr Valerie mit der Bahn zur Uni-Bücherei. Für ihren Geschmack waren zu viele Studenten draußen zum Bier trinken. Sie fühlte sich unmittelbar in ihre Studienzeit zurückversetzt. – Und das gab ihr kein gutes Gefühl. Für Valerie war die Studienzeit nicht so bereichernd und Lebensverändernd, obwohl Lebensverändernd vielleicht schon aber nicht so schön wie alle sagen. Mittlerweile waren es 30 Grad heiß und es war Freitag, somit konnte man es den Studenten auch nicht wirklich übelnehmen, wenn sie sich mal eine Pause am Vormittag gestatteten. Valeries Vermutungen wurden bestätigt – niemand der Mitarbeiter in der Bib hatte etwas gesehen. Sie blieb kurz im Eingang stehen und versetzte sich in das vermutliche Opfer: ‚Ich ging also aus der Bib, habe Bescheid gesagt, dass ich nach Hause komme und dann… dann bin ich rechts abgebogen, dann zweimal links, ließ mir die Haare rot färben, kaufte mir ein Kleid und verschwand mit meiner neuen Identität nach Panama. – klingt das nicht aufregend? Warum ist die Realität nie so aufregend? Valerie schaute sich noch mal draußen um, ihr fiel ein gutaussehender junger Student auf, in Jogginghose und T-Shirt, die Haare in einer großen Locke zur Seite gelegt, in einer Hand ein Bier und in der anderen das Smartphone.

„Guten Morgen, ich bin Valerie Topika von der Kripo Köln. Maria Fischer wird seit gestern Abend vermisst. Kennst du vielleicht jemanden der gestern um neun hier war?“

„Hallo ich bin Ben von der Uni Köln. Ich war gestern hier, mit n‘ paar Kumpels. Ich habe Maria gestern noch gesehen. Vermisst sagten sie?“, er schaute vermeintlich besorgt.

„Ja. Was ein Zufall! Was kannst du mir über gestern erzählen?“, Valerie war angeekelt von seinem geheuchelten Interesse.

„Ich würde sagen es war Schicksal Officer Kommissarin.“, er zwinkerte ihr zu.

„Ich darf doch wohl sehr bitten!“, sie holte ihr Notizbuch raus, „Also Ben von der Uni Köln, was kannst du mir zu Maria Fischer sagen?“

„Wie ich gesagt habe, gestern war ich hier mit n‘ paar Jungs und sie kam so gegen neun aus der Bib und ging in Richtung WG. Ich kenne sie vom Lernen, sie hat mir einmal bei einer Klausur geholfen.“, kurze Pause, „Ich habe bestanden, falls sie das interessiert.“

„Ist dir sonst noch was aufgefallen? Jede Kleinigkeit könnte wichtig sein!“

„Was schreiben sie da eigentlich die ganze Zeit auf?“, er rückte näher und rülpste, „Schulz“, kurzes Lachen, „Sorry, kommt nicht wieder vor.“

„Ekelhaft.“, sagte sie angewidert, „Weißt du noch was oder nicht?“

„Wenn sie mir ihre Nummer geben, kann ich anrufen falls mir noch was einfällt.“, er zwinkerte ihr zu.

„Hier ist die Nummer des Reviers.“, sie gab ihm eine Visitenkarte, „Du sagst dann für Valerie Topika. Kannst du dir das merken?“, sagte sie Streng und schaute ihn direkt an.

„Ja Ma‘am.“, er kratze sich am Kopf.

Sie machte auf dem Absatz kehrt und machte sich auf den Weg zur WG der Vermissten.

Außerhalb der Stadt wurde er wach. Er öffnete die Augen, die Sonne blendete ihn, er blinzelte und erinnerte sich an jede Sekunde der letzten Nacht. Es war besser als jeder Sex. Sein Körper kribbelte immer noch beim Gedanken an sein hübsches Opfer, wie sie ihn angestarrt hatte bei ihrem letzten Atemzug. Er würde schon bald wieder auf die Jagd gehen. Er wollte sich immer so fühlen wie jetzt – unbesiegbar.

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Handeln

„Wenn du Hilfe brauchst, such dir welche!“
„Es gibt so viele Möglichkeiten wo du Hilfe kriegen kannst.“
„Rede mit Freunden, Eltern, Lehrern, Therapeuten oder sonst jemanden!“
„Du musst das nicht alleine machen.“
„Hab keine Angst nach Hilfe zu fragen.“

Diese Sprüche kennen wir alle. Aber wisst ihr wie schwierig es ist sich zu überwinden und zu sagen: „Bitte hilf mir!“? In einer Welt wo eigentlich keiner Zeit dafür hat. Ich weiß auch nicht woran es liegt, dass es so schwer ist. – Das Ego ist zu groß um zuzugeben, dass man nicht klarkommt? Man kann sich nicht öffnen, anvertrauen? Man hat Angst, dass einem nicht geholfen wird aus allen möglichen Gründen sei es Zeit, sei es nicht zu wissen wie? … vielleicht ist es auch nur für mich schwer.
Es wird immer über Opfer und Täter gesprochen ganz klar, weil sie betroffen sind, aber was ist mit den Außenstehenden, den Beobachtern?
Deswegen achtet aufeinander! Passt gegenseitig auf euch auf und nicht nur jeder auf sich. Schenkt euch so viel Aufmerksamkeit wie möglich. Nehmt euch Zeit für die Leute die euch wichtig sind. Verkriecht euch nicht alle in eurem Zuhause, in euren Handys. Schenkt euch Liebe. Gebt acht und findet heraus wie es eurem Gegenüber geht. Klar jeder muss selber entscheiden ob er/sie sich schließlich euch anvertraut, aber wenn ihr schon mal den ersten Schritt zu jemanden gemacht habt, ist das viel wert.
In letzter Zeit geht der moderne, aufgeklärte Trend zu love yourself, me first – that’s so true but man schafft das nicht alone.
Es ist schwer denn richtigen Ton für dieses Thema zu finden und auf dem Gebiet menschlich seinbin ich mit einer der größten Nieten, deswegen sind das Ansprüche genauso an mich selbst.
Man sagt ja man muss zuerst sich selber lieben um geliebt zu werden – auch true. Aber ich glaube das eine geht nicht ohne das andere.

Wir sind nicht dafür gemacht um allein in der Welt zu sein.
#spreadlove
#makelovenotwar
#sonntagszwischendurch

Ein Goldschmied

Ein Goldschmied, in einer kleinen Stadt, vor langer Zeit, schmiedete ein Schmuckstück. Es war ein sonniger Tag und die Werkstatt im Keller, wo durch die bunten Fenster das Sonnenlicht direkt auf das Schmuckstück traf und so erstrahlte die dunkle, vollgestopfte Werkstatt, sie leuchtete und funkelte, so als würde die Sonne tief stehen und durch einen kahlen Wald scheinen. Der Goldschmied betrachtete sein fertiges Werk im Licht und war zufrieden, denn dieses Schmuckstück hat ihm am meisten Kummer bereitet aber es hat auch großen Spaß gemacht es herzustellen.
Eigentlich war das Schmuckstück ein Auftrag von einem neuen Kunden, der gerade hergezogen war und seiner Frau zum Hochzeitstag eine Überraschung machen wollte. Er beauftragte den Schmied einen Anhänger für eine Kette zu machen und der Anhänger sollte besonders sein, nichts was es schon vorher gab, es sollte das Schönste werden was der Schmied je gemacht hatte. – So der Auftrag vom Kunden, – der die Kosten nicht scheute. Und der Schmied nahm den Auftrag wörtlich und mühte sich Tag und Nacht seit einer Woche ab, als der Kunde persönlich kam um den Auftrag zu stornieren. Der Goldschmied war natürlich empört – so viel Arbeit umsonst, er fragte nach dem Grund für den Rückzug des Kundens. Der antwortete, dass seine Frau verstorben ist. Der Schmied war sehr traurig über den Verlust des Mannes und konnte verstehen, dass er das Schmuckstück nicht mehr wollte. Nach dieser Neuigkeit brauchte der Goldschmied etwas Zeit, aber er gab das Schmuckstück nicht auf, sondern wollte es unbedingt fertigmachen um wenigstens jemand anderem eine kleine Freude damit zu bereiten. Der Goldschmied platzierte den Anhänger mit einer wunderschönen Kette auf einem schwarzen Samtständer im Schaufenster.
Die Jahre vergingen und niemand kaufte den Anhänger, aber nicht, weil er nicht schön war, nein ganz im Gegenteil die Leute waren ganz angetan von dem Teil. Man wollte den Anhänger sogar im Museum ausstellen bei einem Wettbewerb, aber der Schmied wollte das nicht. Der Grund warum niemand den Anhänger kaufen wollte, war auch nicht der Preis, der Schmied hat den schon vor langer Zeit weit unter dem Warenwert gesetzt. – Der Grund war, in dieser kleinen Stadt wussten alle unter welchen Umständen der Anhänger entstanden ist, und niemand traute sich etwas Fremdes oder besser gesagt, etwas für jemand anderen bestimmtes zu kaufen, sie meinten alle, sie würden sich fühlen als würden sie einen Raub begehen. Der Schmied konnte nicht verstehen, dass man so etwas offensichtlich Schönes wegen einem so abergläubigen Grund nicht kaufen wollte.
Immer mehr Zeit verging und die Geschichte wurde vergessen. Der Goldschmied war nun alt und grau geworden und würde seinen Laden bald schließen und in den Ruhestand gehen. An einem gewöhnlichen Herbsttag, in der Gegenwart, kam ein junges Paar in den Laden und man sah direkt, dass sie nicht von hier waren – alles wollten sie fotografieren und alles wollten sie haben. Dann entdeckte die junge Frau den Anhänger und war begeistert. Der Schmied und die Frau kamen ins Gespräch: „Was verschlägt so ein schönes und junges Pärchen wie euch in unser altes, verschlafenes Städtchen?“
„Wir sind frisch hergezogen. Mein Vater ist kürzlich gestorben und hat uns sein altes Haus vererbt, wo ich geboren wurde. Er hat es all die Jahre nicht verkauft, was ich nicht verstehe.“
„Oh kannte ich ihre Eltern?“
„Ich glaube nicht. Mein Vater ist ziemlich schnell mit mir hier weggezogen und meine Mutter ist schon bei der Geburt gestorben.“
„Gestorben?“, der Schmied wurde bleich und richtete die Augen auf den Anhänger in ihrer Hand.
„Ja. Wieso? Kannten sie meine Mutter doch?“, er stolperte nach hinten, „Geht es ihnen nicht gut?“
„Entschuldigung, wie alt sind sie?“
Sie schaute verwirrt: „Einundzwanzig.“
„Sie sind es wirklich.“
„Was reden sie da?“
„Sie haben im Sommer Geburtstag nicht wahr?“
„Ja aber woher wissen sie das?“
„Dritter Juli.“
„Woher zum Teufel wissen sie das?“
Er starrte auf den Anhänger.
„Antworten sie! Kannten sie meine Mutter?“
„Nein aber ihren Vater.“, mittlerweile hatte sich der Goldschmied gesetzt.
„Und woher?“
„Den Anhänger den sie in den Händen halten hat ihr Vater für ihre Mutter anfertigen lassen.“, er ließ ihr Zeit um den Satz zu verstehen, sie blickte ihn mit großen, glasigen Augen an, „Bevor ich fertig war ist sie leider gestorben und ihr seid weggezogen. Ich habe das Stück aber noch zu ende gemacht, es ist wirklich das Schönste was ich je gemacht habe, bloß wollte es niemand kaufen. Ich dachte schon, dass es verflucht war, doch es musste genau so kommen, dass sie den Anhänger bekommen.“
Es war schon dunkel aber sie saßen immer noch in der Werkstatt unten und redeten. Keiner konnte glauben was gerade passiert ist und keiner glaubte an einen Zufall. Blätter flogen über die Straße, ein Ast schlug gegen das Fenster, der Wind heulte, es blitze und fing an zu regnen.

Endlose Weiten

04/08/17
Es fühlt sich so unreal an hier zu sein. Es ist als wäre das nicht echt, sondern ich würde mich erinnern, wie es früher war und die Erinnerung ist einfach nur sehr lebhaft. Nichts hat sich verändert – die Häuser, die Autos, die Natur, das Essen, die Menschen. Nichts hat sich verändert. Nur ich bin anders geworden und verstehe nicht, dass ich wirklich hier bin.

Ich sehe aus dem Fenster des fahrenden Zuges und sehe wunderschöne Wälder von Laub- und Nadelbäumen, hochgewachsene Blumen und Gräser auf Feldern, Felsvorsprünge auf denen im Wald verborgen einzelne Häuser stehen und dazwischen kleine Dörfer, wo die Menschen still und vergessen von allen, leben. Es fühlt sich an wie Zuhause – aber nur wie eine Erinnerung davon.

10/08/17
Du gehst an die frische Luft, die sich schwer, staubig und trocken auf die Schultern legt, atmest tief ein und lässt die Sonne in dein Gesicht scheinen, atmest aus und siehst endlose Weiten vor dir. Diese Schönheit, Freiheit und Gefühl von Heimat überkommt dich in diesem Moment. Du weißt einfach du gehörst hier hin – mit jeder Zelle deines Körpers spürst du das ist der eigentliche Platz für dich. Hier fühlt sich alles richtig an – auch die Dinge die Falsch laufen, weil du verstehst warum. Du verstehst die Leute und alles macht einen Sinn – auch was anfangs keinen Sinn macht.

14/08/17
Und wenn du die alten Denkmäler siehst die für die Zeit stehen, wo die meisten Leute mit Landwirtschaft ihr Geld verdient haben – wo man vom Lohn noch Leben konnte, wo die Dörfer und Städte noch nicht an einen verlassenen, heruntergekommenen, aus der Vergangenheit stammenden Ort erinnerten, dann merkst du dennoch ein weizenkorngroßer Funke von der Lebenseinstellung von damals lebt noch in einigen der Leute, wo nicht alle jeden Rubel zweimal umdrehen mussten und nur die dreisten durch klauen und krumme Geschäfte vier dicke Autos haben können.

Die erwähnten Denkmaler in jedem kleinen Dorf, in jeder kleinen Stadt zeigen einfache arbeitende Männer und Frauen die ernst und dennoch freundlich in einfachen russischen Gewändern zusammenstehen und vor ihnen ein landwirtschaftliches Gerät, so etwas wie ein Traktor mit einem Anhänger zum Umgraben, und ganz natürlich ragt hier und da eine Ähre Weizen hervor – buchstäblich das Brot der Menschen.

Und dann wurde dieses Leben kaputt gemacht und die Leute hatten nichts, es gab auch nichts was sie haben könnten, alles verkam, Leute hungerten, Leute klauten, es bildeten sich endlose Schlangen vor den Läden, Leute warteten stundenlang auf etwas Brot, warteten aber vielleicht umsonst, weil bis sie an der Reihe waren es keins mehr gab. Die Leute flüchteten in andere Länder in der Hoffnung auf ein einfaches Leben, was ihnen versprochen wurde, verließen ihre geliebte Heimat und versuchten sich was Neues aufzubauen, gaben alles auf, in der Angst sie könnten sich und ihre Liebsten nicht mehr ernähren, weil kein Lohn mehr bezahlt wurde – Monate, Jahre.
Nach diesen schwierigen, schrecklichen Jahren – in denen ich geboren wurde, hat sich die Situation normalisiert und in ausgewählten großen Städten mit viel Geld geht es Bergauf aber die Leute vom Land, die Leute auf den Denkmälern wurden vergessen und keiner erinnert sich an sie. Es werden immer weniger und irgendwann werden sie alle verschwinden und was bleibt sind die endlosen Weiten Russlands.

15/08/17
Der Hahn kräht, die Hühner gackern und die Vögel zwitschern – ansonsten ist alles still. Ab und zu muht eine Kuh, du stehst auf und die Zeit steht still, nichts bewegt sich.
Durch das flache Land stößt die Sonne auf kein Hindernis beim aufgehen – das Dorf erwacht: Hundegebell, Rasenmäher, ein Traktor macht sich auf den Weg, ein Auto fährt vorbei, ein paar Kinder radeln mit ihrem Fahrrad hin und her und überlegen was sie in dieser eintönigen Landschaft spielen könnten. Kurz nach Mittag wenn die Hitze am unerträglichsten ist, geht man ins kühle Heim und ruht sich vom frühen, anstrengenden Morgen aus. Außer ein paar betrunkene Männer die sich mit ihren betrunkenen Frauen streiten und ab und zu wenn die Sonne den Alkohol trifft und knallt, dann können auch mal Töpfe und Pfannen fliegen und wenn einer dann schließlich im Nachbarsgraben unter einem schattenspendenden Busch seinen Rausch ausschläft und seine Frau ihn sucht und flucht, dann sind alle Dorfbewohner wieder wach und schauen sich das Spektakel in Ruhe, grinsend und kopfschüttelnd an.
Wenn die Hitze vorbeigegangen ist, kriechen alle wieder aus den Häusern und erledigen Dinge im Beet, ernten Gemüse, gießen den trockenen Boden, füttern die Tiere oder schlachten sie, erledigen ein paar Besorgungen, besuchen die Nachbarn oder reparieren was am Haus, legen was ein in der Sommerküche ([летняя кухня] was ein Einzimmerhäuschen ist – eine Küche die nur im Sommer benutzt wird). Wenn die Sonne untergegangen ist und die Kühe von ihrer täglichen Grasung nach Hause getrieben werden wird es friedlich, das Dorf legt sich in Rauch und ein beruhigender Duft von Feuer verbreitet sich überall – Banja [баня] wird geheizt, man wäscht sich, schaut sich eine Serie im Fernsehen an und geht schlafen.

23/08/17
Wenn es draußen heiß ist und der Wind vom flachen Land ganz sanft dein Gesicht berührt, dann scheint die Welt noch in Ordnung.
Libellen, Fliegen, Bienen, Mücken und Schmetterlinge fliegen in Scharren umher und lassen dich nicht allzu sehr zur Ruhe kommen, weil du dich manchmal wehren musst. Enten, Hühner, Gänse, Elstern, Raben und Spatze singen ein Lied für dich und werden hin und wieder von bellenden Hunden unterbrochen. Der Wind lässt die Äste der Bäume rascheln und wenn dieses kleine behutsame Geräusch kurz verstummt, dann hört man nichts mehr außer das Zirpen der Grillen. Der Wind lässt die frisch aufgehängte Wäsche tanzen. Der Himmel ist blau und die Hitze durch die freundliche Brise gerade noch auszuhalten. Es ist still auf dem Land aber nie sorgenlos.

Jetzt wo die Zeit nicht mehr im Zeitraffer läuft, ist es schon wieder Zeit zurück zu kehren.